seitlicher Blick auf die Fassade der Pädagogischen Akademie Bonn

Pädagogische Akademie Bonn

Platz der Vereinten Nationen 1-9, 53113 Bonn

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denkmalgeschütztes Objekt

1928, 1930–1932, 1934–1938/1992

Moderne

Martin Witte
Otto Hodler

Preußisches Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung

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Pädagogische Akademie Bonn

„Demokratie“ hieß der Leitstern für alle Bauphasen des Gebäudekomplexes „Bundeshaus“ in Bonn. Dies gilt für die ab 1930 errichtete Pädagogische Akademie, die den Kernbau darstellt, ebenso wie für die Umbauten durch Hans Schwippert, die ab 1949 die Nutzung zunächst für den Parlamentarischen Rat und später für die Organe Bundestag und Bundesrat ermöglichten, und schließlich für den zwischen 1988 und 1992 entstandenen neuen Plenarsaal, der nach Entwurf von Günter Behnisch ausgeführt wurde.

Die Bauaufgabe „Pädagogische Akademie“ war eng mit den freiheitlich-demokratischen Ideen der Weimarer Republik verknüpft. An die Stelle der bisherigen autoritären Ausbildung in Lehrerseminaren (s. das Beispiel in Siegburg) setzte der preußische Staat eine neue Form der Hochschule, die als Gemeinschaft verstanden wurde. Die preußische Hochbauverwaltung plante die Errichtung von 30 solcher neuartigen Hochschulen nach einem Bautyp mit ähnlichem Raumprogramm. Aufgrund der wirtschaftlichen und politischen Situation zu Beginn der 1930er Jahre wurden nur wenige von ihnen realisiert, unter ihnen die Bonner Pädagogische Akademie. 1926 zunächst in einem Provisorium eingerichtet, war sie eine der ersten Gründungen des Preußischen Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung.

Das innovative pädagogische Konzept sollte sich nach dem Willen der preußischen Unterrichtsverwaltung in Architektur und Grundriss spiegeln. Danach waren in Schulen dieses Typs neben Verwaltungs- und Seminarräumen für den geistes- und naturwissenschaftlichen Unterricht, Hörsäle, Bibliothek, Lesesäle, Musik- und Turnräume sowie Gemeinschaftsräume bereitzustellen. Diese sollten nicht nur zweckmäßig eingerichtet und in sinnvollen Funktionszusammenhängen zueinander liegen, sondern auch günstig nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet sein.  

Der Baukomplex ist mittlerweile eingefasst von umfangreichen Ergänzungsbauten, die für die neuen Nutzungen des Gebäudes nach dem Zweiten Weltkrieg notwendig wurden. Zur Erbauungszeit jedoch war die Akademie ein Solitär am Rheinufer. Der kurz nach Grundsteinlegung verstorbene Architekt Martin Witte hatte besonderen Wert auf die einladende Wirkung der vielgestaltigen Baukörper von der Rheinseite aus gelegt. Der offenere Charakter der nordöstlichen Ansicht der Gebäudegruppe wird durch die breiten Fensterbahnen des Seminargebäudes unterstrichen, die nur von schmalen Wandstegen unterbrochen sind. An den Seminarflügel schloss sich im Nordwesten im rechten Winkel ein dreigeschossiger Trakt mit dem Haupteingang an. Mit der großen, über zwei Geschosse reichenden Aula diente er im Wesentlichen gemeinschaftlichen Funktionen. Das große Südfenster der Aula mit Blick auf Rhein und Siebengebirge war bestimmendes Charakteristikum dieses Baukörpers. Der Hauptzugang zur ehemaligen Pädagogischen Akademie liegt auf der rheinabgewandten Seite, an der damaligen Görresstraße (heute Platz der Vereinten Nationen). Hinter der verschlossen wirkenden, viergeschossigen Fassade mit ihrer streng seriellen Anordnung kleinformatiger Fenster verbargen sich Treppenhäuser, Flure, Neben- und Übungsräume.

Nach der Machterlangung der Nationalsozialisten wurde das Gebäude der Bonner Pädagogischen Hochschule 1934 zwar noch fertiggestellt, am 1. November 1939 aber geschlossen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und ein Jahr bevor am 3. November 1949 die Entscheidung fiel, dass Bonn Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland werden würde, war Hans Schwippert damit beauftragt worden, Pläne für den Umbau der Pädagogische Akademie vorzulegen. Dabei war zunächst an den als provisorisch angesehenen Sitz der Bundesorgane Bundesrat und Bundestag gedacht. Unter Beteiligung unter anderem von Konrad Rühl, einem ehemaligen Taut-Mitarbeiter in Magdeburg (Düsseldorf, Wäschereigebäude der Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt) und der Bauhausschülerin Wera Meyer-Waldeck, die für die Innenarchitektur zuständig war, entwickelte Schwippert ein Konzept, um einen Parlamentssaal, Büros, Besprechungsräume und ein Restaurant für die Abgeordneten zu schaffen. Das Akademiegebäude eignete sich für die neue Nutzung hervorragend, sodass sich die wesentliche Neuerung auf die Errichtung eines Plenarsaals zwischen Rhein und der zur Wandelhalle transformierten Turnhalle konzentrierte. Dem Charakter des demokratisch gewählten Parlaments entsprechend sollte das neue Gebäude Transparenz und Helligkeit ausstrahlen. Schwippert versah es mit vollständig verglasten, seitlichen Außenwänden, sodass die Parlamentarier bei der Arbeit gewissermaßen unter der Beobachtung ihrer Wähler standen. Mit der Idee, den Parlamentssaal in kreisrunder Form anzulegen und so eine gleichberechtigte Bestuhlung ohne Unterscheidung zwischen Regierung und Opposition zu ermöglichen, konnte sich Schwippert nicht durchsetzen. Dies realisierte erst Günter Behnisch, der sich mit dem neuen, 1992 eingeweihten und vollständig verglasten Plenarsaal für das erste gesamtdeutsche Parlament in die Tradition der demokratischen Transparenz stellte. Der Schwippert’sche Plenarsaal jedoch hat dem abermaligen Neubau weichen müssen und ist, trotz des Protestes der Denkmalpflege, 1987 abgerissen worden.

Autor: Birgit Gropp
Zuletzt geändert am 12.07.2019

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