Herne-Wanne-Eickel, Siedlung Roter Block, Ecke Wibbeltstr., Amtmann-Winter-Str.

Herne-Wanne-Eickel, Siedlung Roter Block, Ecke Amtmann-Winter-Str., Hauptstr.

Herne-Wanne-Eickel, Siedlung Roter Block, Platzansicht Amtmann-Winter-Str.

Herne-Wanne-Eickel, Siedlung Roter Block, Ansicht Wibbeltstr.

Herne-Wanne-Eickel, Siedlung Roter Block, Detail Fassadengestaltung

Herne-Wanne-Eickel, Siedlung Roter Block, Detail Eingang

Siedlung "Roter Block"

Amtmann-Winter-Straße, Wanner Straße, Wibbeltstraße, 44649 Herne

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IconObjekt ist als Kulturdenkmal auf der Liste der UNESCO-Weltkulturerbe verzeichnet

IconObjekt wurde umgebaut, saniert oder erweitert

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denkmalgeschütztes Objekt

1928-29

Moderne

Georg Gobrecht
Ferdinand Revermann

Stadt Wanne

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Siedlung "Roter Block"

Den Namen "Roter Block" hat sich die Bebauung an der Amtmann-Winter-Straße, der Wibbeltstraße und der Wanner Straße im Volksmund durch ihre Klinkerfassaden eingehandelt. Die sogenannte Blockrandbebauung hat sich in den Stadterweiterungen der Gründerzeit zum Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt. Federführend war der Berliner Regierungsbaumeister James Hobrecht, der das enorme Wachstum Berlins mit der Anlage geschlossener Gebäuderiegel auffing, die sich um Innenhöfe gruppierten. Vorteil dieser Bauart war die Unterbringung einer großen Personenzahl auf geringem Raum, da die mehrgeschossige Bebauung effiziente Raumaufteilungen begünstigte. Die Städte der Industrialisierung, zu denen Wanne-Eickel zweifelsohne gehörte, nutzten die Blockrandbebauung bis in die 30er Jahre. Negative Auswirkungen äußerten sich in schwierigen hygienischen Bedingungen, die Gefahr zu viele Menschen regelrecht zusammenzupferchen, und der dadurch – besonders sozialpolitisch – gefürchteten Entstehung kommunistischer oder linker Gruppierungen. Der Siedlungsbau der 1920er Jahre schickte sich an den Siedlungsbau zu revolutionieren und setzte dafür auf unterschiedliche Maßnahmen: eine aufgelockerte Bebauung sorgte für Luftzirkulierung, Freiflächen in Innenhöfen durften nicht bebaut werden, sondern sollten als Gemeinschaftsflächen genutzt werden, Toiletten und Badestuben für jede Wohnung sollten der Hygiene zuträglich sein, und künstlerische Details wie die Verwendung von Farbputzen, figürlichen Darstellungen oder Ziermauerwerk sollten ein ansprechendes Umfeld bieten.

Die Architekten des "Roten Blocks" in Wanne-Eickel, Ferdinand Revermann und Georg Gobrecht, verbanden beide Bauweisen: zwar schafften sie eine typische Blockrandbebauung, die Form der Gebäude folgte jedoch modernen Anforderungen des Siedlungsbaus der 1920er Jahre. Zusätzlich schuf Ferdinand Revermann mit dem prominenten Sparkassengebäude die Verbindung mit großstädtischer Gewerbearchitektur. Das Deutschlandhaus am Hamburger Gänsemarkt oder Bruno Pauls Disch-Haus in Köln sind zwei vergleichbare Geschäftshäuser, die die gebogene Fassade zu ihren Markenzeichen gemacht haben.

An das Sparkassengebäude schließen sich nach Osten Wohngebäude an, deren Fassadenlinie ausgesprochen stromlinienförmig ist. In gestaffelten Viertelkreisen vermeiden die Architekten rechte Winkel und erzeugen einen dynamischen Übergang um die Straßenecke herum. Breite Fenster legen sich in schmalen senkrechten Segmenten um die Kurven. Ihre Rahmung aus Naturstein bildet einen deutlichen Kontrast zur Klinkerfassade. Die Treppenhäuser werden durch zurückgesetzte schmale „Schießscharten“ belichtet, deren Übergänge zur Mauerflucht – wir ahnen es – abgerundet sind.

Die Fassade entlang der Wibbeltstraße wartet mit zwei halbierten Zylinderformen auf, die eine dominante senkrechte Gliederung der Wandabschnitte bilden. Hier befinden sich die Treppenhäuser der Gebäude. Diese Seite des "Roten Blocks" öffnet sich zu einer Grünanlage, dessen bauzeitliche Gestaltung mit der Symmetrie der Fassadengestaltung harmonierte. Jenseits des Parks liegt der Wanne-Eickeler Hauptbahnhof. Reisenden öffnete sich durch den Park also eine Blickachse auf die Bebauung an der Wibbeltstraße, der somit ein repräsentativer Charakter für die Wanne Eickeler Innenstadt zukam.

Die harmonisch gestaffelte runde Ecklösung wiederholt sich zur Wanner Straße hin. Die Fassade ist auf dieser Seite am wenigsten spektakulär gestaltet. Zwei senkrechte Natursteinlisenen kennzeichnen die Treppenhäuser, verzichten aber auf den Effekt, die die halbrunden Treppenhäuser der Parkseite hervorrufen.

Mit dem "Roten Block" verfügt Wanne Eickel über ein äußerst qualitätvolles Ensemble des Neuen Bauens. Es setzt sich ab von der übrigen Blockrandbebauung aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, sowohl hinsichtlich seines Materials, als auch durch die extravaganten Formen, die sich dem in der Moderne viel gerühmten rechten Winkel widersetzen.

Autor: Dr. Viviane Taubert, Dr. Stephan Strauß (Strauß Fischer Historische Bauwerke, Krefeld/Bremen), im Auftrag der LWL-DLBW
Zuletzt geändert am 03.06.2019

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