Gelsenkirchen, Hermann-Löns-Str. 6, Straßenseite

Gelsenkirchen, Hermann-Löns-Str. 6, Ansicht von Nordwesten

Gelsenkirchen, Hermann-Löns-Str. 6, Ansicht von Süden

Gelsenkirchen, Hermann-Löns-Str. 6, Ansicht von Süden

Wohnhaus Hermann-Löns-Str.

Hermann-Löns-Str. 6, 45894 Gelsenkirchen

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denkmalgeschütztes Objekt

1927-29

Moderne

Städt. Hochbauamt Gelsenkirchen-Buer

Stadt Gelsenkirchen-Buer

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Wohnhaus Hermann-Löns-Str.

Die Bebauung rund um die Hermann-Löns-Straße bestand in den 1920er Jahren vor allem aus Beamtenwohnhäusern auf großen Grundstücken mit Gärten. Ihre Gestaltung entsprach dem sogenannten Heimatstil, der ein bilderbuchgleiches Erscheinungsbild vorsah: symmetrische Fassaden mit Walmdächern, Treppen vor den Eingängen, verputzte Mauern in gedeckten Tönen.

Das Haus Hermann-Löns-Straße 6 folgt anderen Regeln: es setzt sich aus mehreren, unregelmäßigen Kuben zusammen. Traufgesimse, eine Loggia mit vorkragendem Balkon und die Anordnung der Fenster gliedern die Fassaden. Es entsteht ein Rhythmus aus Flächen, Fensteröffnungen und Vor- und Rücksprüngen, der charakteristisch ist für das Neue Bauen. Drei von vier Fassaden sind mit roten Klinkern verkleidet, eine Seite ist hell verputzt. Nicht nur in der unmittelbaren Nachbarschaft ist es ein Solitär, im ganzen Ruhrgebiet waren Wohnhäuser mit einer solch eindeutigen Formensprache der jüngsten Tendenzen der 1920er Jahre noch rar.

Als eine typische Stadt im Ruhrgebiet hatte sich Buer sein Wachstum und seinen Wohlstand durch mehrere Zechen erworben, von denen jedoch keine in unmittelbarer Umgebung der Hermann-Löns-Straße lag. Es war eine eher gehobene Wohngegend mit Stadtwald und Hauptfriedhof, die für uns heute unvorstellbare Luftverschmutzung aus der Kohle- und Montanindustrie war hier natürlich trotzdem gegenwärtig. Die verschmutzte Luft war ein Grund, warum im Ruhrgebiet Backsteinbauten und Klinkerverkleidungen beliebt waren. Das robuste Material war zum einen weniger anfällig für zersetzende Ablagerungen aus der Luft, zum anderen war Schmutz auf den dunklen Oberflächen von Backstein und Klinker nicht so gut zu sehen. Arbeitersiedlungen in Zechennähe waren häufig ziegelsichtig errichtet worden, lediglich Fenster- und Türrahmungen sorgten für eine minimale Attraktivität an den Fassaden. Schmuck und Ornament waren mehr Dreckfänger als Zierde.

In Großstädten wie Hamburg und Bremen war in den 1920er Jahren ein wahrer Boom in der Verwendung von Backstein und Klinkern ausgebrochen. Das Material eignete sich hervorragend für die aufwändigen Formen des sogenannten Backsteinexpressionismus. Die changierende Farbgebung sorgte für eine spröde Eleganz, die die hellen, einheitlich bunten Putzfassaden der Gründerzeitarchitektur ablösen wollte. Die gesellschaftlich und politisch unruhigen Zeiten der 1910er und 1920er Jahre verlangten nach einer anderen Ausdrucksform, fern von bedeutungslosem Schmuck und Fantasiefiguren, wie sie um die Jahrhundertwende häufig an Fassaden und in Treppenhäusern vorkamen.

Das Haus Hermann-Löns-Straße 6 zeigt diese baukünstlerischen Entwicklungen ganz eindeutig. Die Architektur des Neuen Bauens wollte das Haus auf sich selbst zurückwerfen. Baukörper und Konstruktion sollten sichtbar gemacht werden, die Architektur sollte als Baukunst für sich selber sprechen. Dekorative Elemente finden sich lediglich in den farbigen Fensterscheiben im Treppenhaus, die als Fensterband über mehrere Geschosse laufen. Ein Farbverlauf von Gelb, Rot und Blau sorgt hier im Treppenhaus durch seine nach Osten weisende Lage für Lichteffekte der Morgensonne. Dadurch wird die Natur als Akteur in das Erscheinungsbild des Hauses mit eingebunden, ebenfalls ein typisches Merkmal des Neuen Bauens. Häuser sollten individuell auf ihr Umfeld reagieren, die Einbeziehung der Lichtverhältnisse war hierfür naheliegend.

Die moderne Form des Hauses war für seinen damaligen Bewohner, den Stadtabgeordneten Paul Schossier, gleichwohl nicht optimal. Laut Adressbüchern bewohnte er spätestens 1939 ein paar Straßen weiter ein Haus im Heimatstil. Vermutlich war ein Haus der Moderne, wie es das städtische Hochbauamt hier realisiert hatte, nicht standesgemäß für ein ranghohes Mitglied der NSDAP. Diese lehnte die moderne Architektur der 1920er Jahre bekanntlich rundweg ab und genehmigte Neubauten dieser Art nach 1933 häufig nicht mehr. Ein Glück, dass dieses Haus bereits 1929 fertiggestellt war.

Autor: Dr. Viviane Taubert, Dr. Stephan Strauß (Strauß Fischer Historische Bauwerke, Krefeld/Bremen), im Auftrag der LWL-DLBW
Zuletzt geändert am 27.05.2019

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Kategorien:
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