Lünen, Friedenstr. 12, Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, Haupteingangsseite

Lünen, Friedenstr. 12, Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, Haupteingangsseite

Lünen, Friedenstr. 12, Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, Haupteingang mit Turm

Lünen, Friedenstr. 12, Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, Rückansicht

Lünen, Friedenstr. 12, Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, Schulhof mit Ergänzungsbau

Lünen, Friedenstr. 12, Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, Glasfuge zum neuen Anbau

Lünen, Friedenstr. 12, Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, Detail Turm mit Uhr

Freiherr-vom-Stein-Gymnasium

Friedenstr. 12, 44532 Lünen

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denkmalgeschütztes Objekt

1930-31

Moderne

Dietrich & Karl Schulze

Stadt Lünen

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Freiherr-vom-Stein-Gymnasium

Das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Lünen ist ein Bauwerk der späten 1920er Jahre, das mit seinen bewegten Formen und leuchtenden Farben im Innen- und Außenraum den seltenen Wunsch weckt, noch einmal Schüler zu sein. Auf einem Z-förmigen Grundriss erhebt sich das mehrgeschossige Schulgebäude. Die Fassade aus Klinker, der sich mit langen Fensterbändern abwechselt, und die kurvierten Ecken wecken vielfältige Assoziationen: sowohl Ozeandampfer als auch Kaufhäuser oder moderne Bürogebäude mögen hier Pate gestanden haben. Es ist das Verdienst des Dortmunder Architekten Karl Schulze, der gemeinsam mit seinem Bruder Dietrich Schulze ein Büro führte, diese unterschiedlichen Inspirationen hervorzurufen. Schulze schuf eine singuläre Formensprache aus dem Vokabular des Neuen Bauens, die letztlich bis ins kleinste Detail auf die Ansprüche eines Schulneubaus reagiert. Zuvor hatte es in Lünen lediglich ein Progymnasium gegeben, eine Schulform, die nur zur Mittleren Reife führte. Um Schülern, die das Abitur machen wollten, den 15 Kilometer weiten Weg nach Dortmund zu ersparen, wurde bereits 1918 ein Antrag gestellt, die Lünener Schule an der Holtgrevenstraße zu einem Realgymnasium zu erweitern. Von der Genehmigung im Jahr 1920 bis zur Grundsteinlegung vergingen zehn Jahre, doch schließlich wurde die bestehende Schule, die ebenfalls von D. & K. Schulze gebaut worden war, nicht nur erweitert, sondern komplett neu gebaut. Hierfür wurde ein Grundstück an der Friedenstraße ausgewählt.

Man muss sich vor Augen führen, dass Schulgebäude zu Beginn des 20. Jahrhunderts optisch den pädagogischen Richtlinien entsprachen. Es handelte sich zumeist um klassizistische Gebäude, die Haltung und Ehrfurcht vermitteln sollten. Schule hatte zur Kaiserzeit nicht nur den Zweck, Schüler in den Alten Sprachen, Religion und einigen wenigen weiteren Fächern zu unterrichten. Sie musste vor allem auf ein Leben nach der Schule vorbereiten. Drill, Zucht und Ordnung wurde Heranwachsenden eingeimpft, um sie später mühelos einem Militärgehorsam unterordnen zu können. Was für einen Kontrast versprach dagegen die Reformpädagogik! Schüler sollten nicht mehr als Erfüllungsgehilfen in einem auf Kriegsführung ausgerichteten Staat dienen, sondern ihre Potenziale sollten als Basis für eine demokratische Gesellschaft gefördert werden. Dass diese Gesellschaft nur wenig später eines der schwärzesten Kapitel der Menschheit aufschlagen würde, steht auf einem anderen Blatt.

Fürs Erste sollte Schülern ein Umfeld geboten werden, in dem sie miteinander lernen und wachsen konnten. Dazu gehörten auch Farben und asymmetrische, vermeintlich natürliche Formen. Der leicht konkave Grundriss des nördlichen Flügels, die gerundeten Gebäudeecken und die langen Fensterbänder sollten eine direkte Verbindung zwischen dem Menschen, seinem Geist und seiner Umwelt stärken. Gelbe Fliesenspiegel in den Fluren, an deren Enden in jedem Stockwerk Trinkwasserbrunnen angebracht waren, sorgen für einen hellen, freundlichen Raumeindruck. Einige Türen sind mit grünen Fliesen gerahmt. Im Eingangsbereich dominieren die gelben Fliesen den Raumeindruck, der dadurch an U-Bahnhöfe in Paris oder Berlin erinnern. Kleine, aber feine Ausstattungsdetails verleihen der Schule einen ganz individuellen Charakter. Die Fassaden werden aufgelockert durch Gesimsbänder, die mit grün angelaufenem Kupfer verkleidet sind. Die Uhr auf dem Turmdach über dem Haupteingang setzt sich mit hellblauen Fliesen vom roten Backstein ab. Die Zeiger erinnern an Füllfederhalter, auf dem Turmdach symbolisiert eine Skulptur ein aufgeschlagenes Buch.

Noch immer galt im Bildungssystem der Grundsatz "per aspera ad astra", doch die Umstände, unter denen sich der schweißtreibende Weg zur Erkenntnis erfüllen sollte, wurden durch Schulgebäude wie das von D. & K. Schulze erheblich verbessert.

Autor: Dr. Viviane Taubert, Dr. Stephan Strauß (Strauß Fischer Historische Bauwerke, Krefeld/Bremen), im Auftrag der LWL-DLBW
Zuletzt geändert am 03.06.2019

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