Bielefeld, Heinrich-Forke-Str. 5, Friedrich-Ebert-Haus, Hauptfassade

Bielefeld, Friedrich-Ebert-Haus, Straßenansicht

Bielefeld, Blick durch die Siedlung auf das Friedrich-Ebert-Haus

Bielefeld, Friedrich-Ebert-Haus, Hofseite

Bielefeld, Friedrich-Ebert-Haus, Detail der Hauptfassade

Friedrich-Ebert-Haus

Heinrich-Forke-Str. 5, 33609 Bielefeld

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IconObjekt ist als Kulturdenkmal auf der Liste der UNESCO-Weltkulturerbe verzeichnet

IconObjekt wurde umgebaut, saniert oder erweitert

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denkmalgeschütztes Objekt

1931

Moderne

Gustav Vogt

Wohnungsbaugenossenschaft "Freie Scholle"

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Friedrich-Ebert-Haus

Auf den ersten Blick erinnert das Friedrich-Ebert-Haus in Bielefeld an ein Hotel. Der Name einer Gaststätte prangt über dem Eingang, die schmalen vertikalen Fensterbänder mit dem halbrunden Abschluss fallen besonders ins Auge. Doch der Sozialdemokrat und erste Reichspräsident der Weimarer Republik Friedrich Ebert ist ein merkwürdiger Namenspate für ein Hotel. Es ist ja auch gar keins! Beim Friedrich-Ebert-Haus handelt es sich aber auch nicht um den Sitz einer Gewerkschaft, sondern um einen architektonischen Sonderfall: das Volkshaus oder Gemeinschaftshaus hat sich mit dem Erstarken gewerkschaftlicher und sozialkommunaler Interessenverbände seit der Industrialisierung zu einem Gebäudetyp entwickelt, der verschiedene Funktionen hatte. Volkshäuser sollten Versammlungsorte für die gesellschaftliche Gruppe bieten, die im Wilhelminischen Kaiserreich nicht gerne als Akteur öffentlicher Meinungsbildung gesehen wurden: die Arbeiterschicht. Der Erfolg der Industrialisierung beruhte auf den vielen Arbeitern, die Tag für Tag hart arbeiteten, und die für Rechte und Zugeständnisse lange und hart kämpfen mussten. Den Wert der Arbeiter erkannten die Fabrikbesitzer zwar an, ihre Überzahl und ihr häufig ausdauernder Kampfgeist, der sich im Zusammenschluss zu großen Gruppen potenzierte, wurden aber als große Gefahr angesehen, der mit Entschiedenheit entgegengetreten werden musste.

In Bielefeld war die Arbeiterbewegung stark vertreten. Die hohe Dichte an Fabriken und die geographische Lage begünstigte einen Zusammenschluss der Arbeiter, die hier auf eine gut funktionierende Infrastruktur aus Vereinen, Gewerkschaften und Genossenschaften zurückgreifen konnte. Das Volkshaus Sudbrack der dortigen Arbeiterschaft war bereits 1914 eingeweiht worden. Einen Sonderfall der zum Großteil aus Gewerkschaften hervorgegangen Volkshäuser bildet das Bielefelder Friedrich-Ebert-Haus insofern, als dass es von einer Baugenossenschaft errichtet wurde. Die "Freie Scholle" hatte sich 1911 aus einem Turnverein heraus gegründet, der eine eigene Turnhalle benötigte. Die Benutzung öffentlicher Hallen wurde den Turnern nicht gestattet, vermutlich aus politischen Gründen. Häufig war die Gründung von Turnvereinen nur der Versuch eine möglichst harmlos erscheinende Gemeinschaft zu gründen, deren Ziele vor allem arbeitsrechtlicher und sozialreformerischer Natur waren. Dem Bau der Siedlungen "Heeper Fichten" und "Im Siekerfelde" in der zweiten Hälfte der Zwanziger Jahre folgte schließlich das Friedrich-Ebert-Haus. Es sollte ein Treffpunkt für alle Mitglieder der Baugenossenschaft sein, verfügte über ein Lokal und Versammlungsräume unterschiedlicher Größe. Während die frühen Volkshäuser der Arbeiterbewegung häufig in erster Linie Schlafräume für Kostgänger und Schichtarbeiter bereitstellten, konnten sich die Häuser der Zwischenkriegszeit zumeist voll und ganz auf den Versammlungsaspekt konzentrieren.

Der Architekt Gustav Vogt wurde 1931 mit dem Bau des Gemeinschaftshauses beauftragt. In Abgrenzung zum Baustil der Siedlung "Heeper Fichten" entwarf Vogt ein Haus moderner Formensprache. Flachgedeckt und hell verputzt präsentiert sich das Gebäude als Zusammenschluss verschiedener Quader. Der flache Vorbau der Gaststätte erweitert das Haus nach Norden. Das Sockelgeschoss ist mit roten Backsteinen verkleidet, die auch die Pfeiler vor der Durchfahrt zum Innenhof schmücken. Entscheidend für die gestalterische Qualität sind die beiden vertikalen Fenster, die über drei Geschosse laufen. Ohne sie wäre der Bau nicht halb so schön. Die darüber montierte Fahnenstange streckt das Gebäude zusätzlich in die Höhe. Ein Bau der Moderne wie aus dem Bilderbuch! Dieser Ansicht war man in den 1960er und 70er Jahren allerdings nicht: eine Verkleidung aus Kunststoffplatten verhüllte das Friedrich-Ebert-Haus und nahm ihm jeglichen Charme. Erst vor wenigen Jahren wurde die nachträgliche Hülle entfernt, und zum Vorschein kam dieser für die Bielefelder Sozialgeschichte überaus wichtige Bau.

Autor: Dr. Viviane Taubert, Dr. Stephan Strauß (Strauß Fischer Historische Bauwerke, Krefeld/Bremen), im Auftrag der LWL-DLBW
Zuletzt geändert am 27.05.2019

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