Münster, Münzstr. 9, rechte Seitenfassade

Münster, Münzstr. 9, Straßenfassade mit Garage

Münster, Münzstr. 9, linke Seitenfassade mit Eingang

Münster, Münzstr. 9, Eingangstreppe mit Geländer

Münster, Münzstr. 9, Ausschnitt mit Treppenhaus- und Wohnraumfenstern

Münster, Münzstr. 9, Gartenfassade

Münster, Münzstr. 9, halbrunder Anbau mit Dachterrasse

Haus Wiedemann

Münzstraße 9, Münster

Legende für Merkmale

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IconObjekt ist denkmalgeschützt

IconObjekt ist als Kulturdenkmal auf der Liste der UNESCO-Weltkulturerbe verzeichnet

IconObjekt wurde umgebaut, saniert oder erweitert

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denkmalgeschütztes Objekt

1931

Moderne

Franz Möning
Peter Strupp

Leo Wiedemann

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Haus Wiedemann

Das Haus Wiedemann in der Münzstraße am Rande der Altstadt von Münster ist seit seiner Erbauung im Jahr 1931 stadtbekannt. Seine exponierte Lage zwischen Münzstraße und Promenade sorgte seit jeher dafür, dass es die Blicke von Passanten auf sich zog. Dabei fällt vor allem der verglaste halbrunde Anbau auf der Rückseite des Hauses ins Auge. Im Erdgeschoss öffnet sich hier der Essbereich des Wohnraums zum Garten hin. Das Dach dieses Anbaus fungiert als Terrasse für das Elternschlafzimmer im Obergeschoss. Die schmalen Bogenfenster der Balkontüren und die hohe, umlaufende Brüstung wollen so gar nicht ins Münsteraner Stadtbild passen (obschon die Bogenfenster an romanische Kirchenfenster erinnern sollten). Wenn an heißen, sonnigen Sommertagen ein weißer Vorhang an der Brüstung im Wind flatterte, wirkte das ganze Ensemble ausgesprochen mediterran. Die Architekten Franz Möning und Peter Strupp greifen die Rundung des Anbaus in den gerundeten Hausecken zum Garten hin auf, wodurch die Rückseite des Hauses viel dynamischer erscheint als die Straßenfassade. Kurzum, es war und ist ein besonderes Haus, dessen markante Formen bauzeitlich für Empörung sorgten.

Heute ist es vielen Münsteranern ans Herz gewachsen. So auch dem heutigen Eigentümer, der das Haus vor einigen Jahren erworben und seitdem mühevoll restauriert hat. Der heutige Zustand kommt dem Urzustand sehr nahe und doch bleiben einigen Fragen, deren Antworten nur erraten werden konnten. So strahlen die Fassaden des dreigeschossigen Hauses in einem typischen Weiß. Typisch? Ein Irrglauben, dass die Moderne der 1920er und 1930er Jahre weiße Kuben am Band produziert hat. In vielen Fällen bevorzugten die Architekten gedeckte Farbtöne. Helle Grautöne aber auch Rosatöne gehören zu den heute eher überraschenden Farben der 1920er Jahre. Auch der Fassadenputz vom Haus Wiedemann war vermutlich in einem matten Grau gehalten. Ebenso ist das Blau der Geländer, der Fensterrahmen und der Grundstückstore nicht mehr eindeutig zu bestimmen. Vielleicht war es etwas heller, vielleicht etwas türkiser?

Ein Haus der Moderne zu restaurieren erfordert einen langen Atem. Aufgrund von Kriegsschäden sind häufig Unterlagen für immer verloren, die Auskunft über den Originalzustand hätten geben können. Das Haus Wiedemann selber erlitt im Krieg keinen Bombentreffer, doch durch die Druckwellen aus der Umgebung waren die Fensterscheiben zerborsten und die Rahmen teilweise verformt. Das bunte Muster der hohen, schmalen Fenster im Treppenhaus wurde dem Original nachempfunden. Mangels Farbfotografien ist die heutige Rekonstruktion oft eine Mischung aus Vergleich, minutiöser Recherche und hier und da auch mal glücklichen Zufallsfunden. Dass im Fall des Hauses Wiedemann eines der Kinder noch Auskunft über seine Erinnerungen an das Haus geben konnte und einige wenige Privatfotos der Familie Hinweise liefern, ist daher umso wertvoller. Auf diese Weise können auch kuriose Anekdoten dazu beitragen, das Puzzle der Geschichte des Hauses allmählich zusammenzusetzen. So ist beispielsweise die Garage im Kellergeschoss des Hauses von den Bauherren selber nie ihrer Bestimmung zugeführt worden, besaß die Familie Wiedemann doch gar kein Auto! Vermutlich wollten die Architekten dem Zeitgeist entsprechend Modernität und Technikaffinität demonstrieren. Unter diesem Gesichtspunkt kann auch die etwas unentschlossene Anlage einer Dachterrasse verstanden werden. Zwar führte das Treppenhaus immer schon bis aufs Dach, doch einer Nutzung als Dachterrasse widersprach die bauzeitlich recht niedrige Brüstungshöhe. Auch an anderer Stelle hatten die Architekten und der Bauherr unterschiedliche Vorstellungen: einen Springbrunnen im Wohnzimmer lehnte Leo Wiedemann ab. Vielleicht genügte ihm das kleine Schwimmbecken im Garten, an dessen Ecken ursprünglich Tierfiguren standen. Die Kinder der Familie Wiedemann und ihre Freunde aus der Nachbarschaft haben hier schwimmen gelernt, wie eine ehemalige Anwohnerin aus der Münzstraße berichtete.

Autor: Dr. Viviane Taubert, Dr. Stephan Strauß (Strauß Fischer Historische Bauwerke, Krefeld/Bremen), im Auftrag der LWL-DLBW
Zuletzt geändert am 10.04.2019

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