Straßenansicht Wohnhaus

Ansicht Nord-Ost

Wohnhaus Driburger Straße

Driburger Str. 30, 33100 Paderborn

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1932-33

Moderne

Josef Lucas

Fritz Ostermann

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Wohnhaus Driburger Straße

Das Wohnhaus in der Driburger Straße ruft dem Betrachter schon von Weitem zu: ich bin ein typischer Bau der 1920er Jahre! Ein weiß-grauer Kubus mit rechteckigen Fenstern, einem langen, senkrechten Fensterband über der schlichten Tür, die mit einem kleinen Vordach bekrönt wird. So weit, so eindeutig. Und doch ist dieses Haus alles andere als das, was es zu sein vorgibt. Dass es sich um einen Umbau einer ehemals eingeschossigen Brauerei mit Lagerflächen und Garagen handelt, verschweigt es genauso geschickt wie den Umstand, dass sein Architekt nie am Bauhaus gelernt oder gelehrt hat. Stattdessen war Josef Lucas Schüler von Dominikus Böhm, dem großen Meister der Kirchenbaukunst, der mit St. Engelbert in Köln neue Maßstäbe im Kirchenbau gesetzt hatte. Anschließend arbeitete er im Büro des Diözesanbaumeisters Kurt Matern, der in Paderborn auch als freier Architekt tätig war. In seinem späteren Leben hat Lucas selber Kirchen gebaut. Dennoch steht sein Umbau in der Driburger Straße exemplarisch für die architektonischen Ideen der Zwischenkriegsjahre.

Ganz offensichtlich war Lucas geistiger Schüler von Le Corbusier, jenem Schweizer Architekten, der von Paris aus das Neue Bauen mit seinen Bauten und Schriften maßgeblich beförderte. Der Aufriss der Straßenseite zeigt  feine Linien, die die Fassade an der Driburger Straße in proportionale Verhältnisse setzt und die sich genau so in Plänen und Publikationen von Le Corbusier finden.  Diese Linien bezeichnete Le Corbusier als "traces regulateurs", das heißt als ordnende Linien.

Das Wohnhaus in der Driburger Straße lässt viel davon erahnen, wie sich das Neue Bauen als Form und Haltung bis in die vermeintliche Provinz verbreitete. Denn Haltung zeigte auch der Bauherr Fritz Ostermann, Geschäftsführer der benachbarten Brotfabrik gleichen Namens. Aus einer Familie von Bäckermeistern stammend, die in den Paderborner Cafés gleichen Namens fortlebt, entschied sich Ostermann sicher bewusst für das Neue Bauen – vielleicht auch vor dem Hintergrund der Reformtradition, die die Brotfabrik mit Reformbackwaren wie Pumpernickel und Grahambrot verkörperte. 

Der Umbau eines gewerblichen Gebäudes in ein Wohnhaus beschnitt die Gestaltungsfreiheit des Architekten vermutlich erheblich. Dennoch gelang es einen modernen Bau zu schaffen, der über seine vorherige Teilverwendung wenig verriet. Lediglich ein gemauerter Schornstein an der Westseite des Gebäudes zeugte bis zu seinem Abriss in den 90er Jahren von der früheren industriellen Nutzung. Dabei wirkte der Schornstein derart unpassend für einen modernen Bau, dass er gar nicht als zum Haus zugehörig empfunden wurde.

Zur Straße hin zeigt sich das Haus als zweigeschossiger Bau, dessen weißer Putz von einheitlich großen Fenstern aufgelockert wird. Sie sind rhythmisch über die Fläche verteilt, mit einem für das Neue Bauen typischen Eckfenster im Obergeschoss, das sich auf der Gartenseite des Hauses wiederholt. In beiden Geschossen der Straßenseite fügen sich die Fenster wie an einem Band zueinander. Im Erdgeschoss liegen die Fenster etwas in die Mauer zurück versetzt, sodass markante Rahmungen entstehen, während sie im Obergeschoss  plan in die Wandfläche eingelassen sind. An der rechten Seite werden diese waagerechten Fensterbänder in eine senkrechte Achse übertragen. Die Fenster über der Tür entsprechen den Fenstern im Erdgeschoss, sie wurden hier lediglich um 90 Grad gedreht. Diese Senkrechte lässt zudem die freie Fläche auf der rechten Seite für sich stehen. Eine dezente aber pointierte Gestaltung zeigt sich auch im Vordach über der Eingangstür: die Kanten werden in Viertelbögen nach unten geführt und rahmen dadurch den Eingang. Das runde Fenster in der Tür sollte bauzeitlich durch eine runde Lampe über dem Eingang aufgegriffen werden. Es sind kleine Details wie diese, mit denen der Architekt ein Gespür für Formen und Komposition demonstrieren und dem Umbau des einstigen Wirtschaftsgebäudes eine besondere Note verleihen konnte.

Literatur
LWL / Stadt Paderborn (Hg.), Denkmaltopographie der Bundesrepublik Deutschland – Denkmäler in Westfalen: Kreis Paderborn Bd. 2.1. Stadt Paderborn. Petersberg 2018, S. 290-291

Autor: LWL
Zuletzt geändert am 19.02.2020

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Kategorien:
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